Donnerstag, 23. Mai 2013

FDP-Abgeordneter im Kreuzverhör: Johannes Vogel zu Gast im St.-Ursula-Gymnasium

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vogel fdp -st. ursula attendornEinen wahrhaften Interviewmarathon absolvierte jetzt der heimische Bundestagsabgeordnete Johannes Vogel (FDP) im Attendorner St.-Ursula-Gymnasium. Trotz angeschlagener Stimme stand er nacheinander einer 9. Klasse und dem Leistungskurs Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 12 Rede und Antwort.

Dabei begann der Schulmorgen für Vogel mit einer Überraschung. Zunächst simulierten die Neuntklässler nämlich eine Parlamentssitzung, in der sie – scheinbar – von ihrem Gast gar keine Notiz nahmen. Erst gegen Ende der Aussprache zum „Wahlrecht mit 16“ wurde dann plötzlich der „Abgeordnete Vogel“ ans Rednerpult gerufen und musste ebenfalls Position beziehen. Hier erlebten die Schüler, dass in der Politik Improvisation wichtig ist. In einer mit viel Applaus bedachten Rede plädierte Vogel spontan für eine Senkung des Wahlalters und stellte sich damit gegen die Vorredner seiner eigenen (Schüler-)Fraktion.

Danach kamen die Jugendlichen in einem ausführlichen Interview zur Sache: Welche Eigenschaften man in der Politik haben müsse, um erfolgreich zu sein? Hier sprach sich Johannes Vogel vor allem für Disziplin, feste Überzeugungen, in die Zukunft gerichtete Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen aus.

vogel fdp - st. ursula attendorn

Johannes Vogel steht dem Leistungskurs Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 12 Rede und Antwort.

 

Zu den Fehlern befragt, die er bisher gemacht habe, antwortete Vogel, er sei zunächst mit großem Idealismus in den Bundestag eingezogen. Sehr schnell habe er dann aber gemerkt, dass man Kompromisse eingehen müsse, um seine Ziele zu erreichen..

Welches in der jüngeren Vergangenheit die größten Fehler der Politiker allgemein gewesen seien, wollten die Schüler weiter wissen. Hier kritisierte Vogel die Annahme vieler politischer Entscheidungsträger, ein Staat dürfe unbegrenzt Schulden machen. Wohin dies führe, zeige die derzeitige Finanzkrise.

Auch zu den Fehlern seiner eigenen Partei bezog der Abgeordnete Stellung. Die FDP habe sich zu lange als Ein-Themen-Partei dargestellt. Sie sei jedoch eine Partei der Freiheit auf allen Gebieten, nicht nur der Steuerfreibeträge. Zudem hätte seine Partei früher der Haushaltskonsolidierung den Vorrang vor Steuersenkungen geben müssen.

vogel fdp - st. ursula attendorn

Die Klasse 9a des St. Ursula Gymnasiums im Gespräch mit dem FDP Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel

 

Einen großen Raum in dem Gespräch mit den Schülern nahm naturgemäß die aktuelle Diskussion über die Zukunft des Euro und der EU ein. Hier plädierte Vogel für eine doppelte Strategie. Einerseits dürfe man Mitgliedsstaaten nicht einfach pleitegehen lassen. Ebenso notwendig sei es allerdings andererseits, Regeln festzuschreiben, die eine weitere Verschuldung verhinderten. „Es ist richtig, kriselnden Staaten zu helfen – aber nur, wenn sie im Gegenzug ihre Probleme lösen“, so Vogel.

Von einer Wiedereinführung der D-Mark zur Bewältigung der Krise hält der FDP-Abgeordnete nichts. Die deutsche Wirtschaft, speziell auch die Südwestfalens, habe vom Euro bisher sehr profitiert. Eine Rückkehr zur D-Mark würde, so Vogel, zu einer sofortigen Aufwertung der deutschen Währung führen, was wiederum die deutschen Waren im Ausland teurer und damit weniger wettbewerbsfähig mache.

Im Übrigen müsse die Europäische Union ein Hort der Freiheit, der Menschenrechte und der Demokratie bleiben. Nur ein geeintes Europa könne sich antidemokratischen Tendenzen, wie sie weltweit zu beobachten seien, wirksam entgegenstellen.




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