Samstag, 18. Mai 2013

Regionale Wirtschaftsförderung oder haben wir da etwas falsch verstanden?

Print Friendly

Ein Rathaus in einer kleinen Stadt am Rande des Sauerlandes. Da gibt es, wie in allen Städten ein Ressort zur “Förderung der regionalen Wirtschaft”. Hier werden Maßnahmen zur Entwicklung des lokalen Wirtschaftswachstums koordiniert und gestartet.

Die aktuellste Idee:
Eine Imagebroschüre, die die Vorzüge der regionalen Wirtschaft ins rechte Licht rücken und für neue Kunden sorgen soll.

Sehr gute Idee! Man führt als koordinierende Stelle der Stadt die Wirtschaftsvertreter zusammen, finanziert das Ganze durch die Vermarktung von Werbeplätzen an lokale Unternehmen und holt sich die Unterstützung von regionalen Dienstleistern zur Erstellung des Druckwerks, denn schließlich hat man ja alles vor Ort was man benötigt. Allein dieses Projekt wäre regionale Wirtschaftsförderung.

So einfach ist das aber nicht, denn …

Da kommt ein gut geschulter Vertriebsmann zu dem Wirtschaftsförderer vor Ort und verkündet die frohe Botschaft vom Land wo Milch und Honig fließt: “Diese Broschüre kann man als regionale Wirtschaftsförderung ganz ohne Aufwand und dann auch noch umsonst erhalten!”

Klingt komisch, ist aber so!

Wie das geht, ganz einfach:
Man engagiere diese im Norden Europas ansässige Agentur (leider nicht aus der Region aber wir sind doch Europa!). Diese übernimmt die Aufgaben der Wirtschaftförderer (prima, Stress gibt es auch so genug) und das Ganze ist für den Auftraggeber auch noch “kostenlos” (das magische Vertriebswort, das bei potentiellen Kunden den Verstand fast immer ausschaltet)!

Na gut, das ganze muss dann durch Werbekunden finanziert werden aber dafür wird man dann schon sorgen. Ist ja auch besser so, dann hat die Wirtschaftsförderung mit dem ganzen Geldkreislauf nichts zu tun, das belastet ja auch nur!
Also zugegriffen und nur die Empfehlungsschreiben mitgegeben!

Vielleicht haben wir das Thema “Regionale Wirtschaftsförderung” falsch verstanden?!? Naja, vielleicht können ja unsere regionalen Texter, Grafiker, Fotografen und Drucker für diesen Verlag als Zulieferer arbeiten. So können dann doch, wie von der Wirtschaftsförderung gewünscht, die Schokoladenseiten der Stadt deutlicher nach außen gestellt werden.

Einziges kleines Manko hierbei ist dass diese dann versuchen müssen, sich das hier vor Ort erarbeitete Geld bei dem aus der Ferne agierenden Auftraggeber wieder zu holen. Das kann dann etwas mühsamer sein, wie die folgende aktuelle Geschichte zeigt:
Da hat doch eine gemeinnützige Einrichtung nach gleicher Methode sich eine kostenlose Broschüre von einem anderen überregionalen Verlag erstellen lassen. Immerhin hat der Verlag diese Broschüre in der Region drucken lassen, dann aber vor der Bezahlung der Rechnung leider Insolvenz melden müssen. Die regionale gemeinnützige Einrichtung hatte eine kostenlose Broschüre, der regionale Dienstleister hatte eine offene Rechnung und die fremde Agentur hatte das regionale Geld!

Wir haben da mal eine Frage! Haben wir das jetzt richtig verstanden mit der regionalen Wirtschaftsförderung?
Die Wirtschaftsförderung besorgt eine kostenlose Imagebroschüre, ohne Aufwand für die regionalen Medienschaffenden. Nur Anzeigenkunden in dieser Broschüre bezahlen für Ihre Werbeanzeigen und selbst von diesem Geld sehen wir hier nichts in der kleinen Stadt am Rande des Sauerlandes.




Deine Meinung ist uns wichtig

*

Rss Feed Tweeter button Facebook button Flickr button Youtube button